Es begab sich vor langer Zeit in einem unbekannten Dorf in der
Nähe eines großen Waldes, dass ein Kind geboren wurde, welches
den Namen Pikaf trug. Seine Eltern liebten den Jungen sehr und
sie ließen es ihm an nichts fehlen, sofern es für sie erschwinglich
war. So wuchs Pikaf heran, doch ein glückliches Leben hatte
er dennoch nicht. Er war anders als die anderen Menschen im
Dorf und deshalb war er vielen Leuten unheimlich, ja, manche
hassten ihn sogar. Ob seines Aussehens war er oft Zielscheibe
des Spotts der anderen Kinder. "Rotauge!", riefen sie ihn, oder
"Spitzohr!", denn er hatte rote Augen und spitz zulaufende Ohren.
Nicht selten kam es dabei vor, dass die Kinder Steine nach ihm
warfen. Dann blieb Pikaf nichts anderes übrig, als wegzurennen.
"Warum ärgert ihr mich? Was habe ich euch getan?" Oft fragte
er sich diese Dinge und nach und nach kam er zu dem Schluss,
dass seine Eltern vielleicht nicht seine Eltern waren, und das
Dorf nicht sein Dorf, schließlich hatte niemand anderes rote
Augen oder spitze Ohren. Der Junge beschloss der Sache auf
den Grund zu gehen. Eines Abends, als der Mond besonders hell
leuchtete, machte er sich auf den Weg in den Wald, dessen Betreten
ihm seine Eltern strengstens verboten hatten. Gefährliche Elfen
sollten dort wohnen, doch Pikaf glaubte, dort seine wahre Familie
finden zu können.
Es dauerte nicht allzu lange, da sah er zwischen den Bäumen
tanzende Lichter, die mal hierhin, mal dahin schwebten, mal
in die Höhe und mal zu Boden. Es waren Elfen, die dort ihren
nächtlichen Reigen tanzten. Aufgeregt trat Pikaf unter sie.
"Was willst du von uns?", fragten die Elfen.
Der Junge erklärte ihnen seine Vermutung, dass er ein Elf sei
und keiner der Menschen, unter denen er aufgewachsen war. Doch
die Elfen lachten und schüttelten ihre kleinen Köpfe. "Du willst
einer von uns sein? Das kann nicht sein! Sieh nur, dir fehlen
die Flügel, mit denen wir auf dem Wind reiten!"
Traurig ließ Pikaf den Kopf hängen und wollte nach hause gehen,
als eine der Elfen sich auf einen Ast vor seiner Nase setzte
und zu erzählen begann.
"Früher einmal", sagte der Elf, "kamen ein Mann und eine Frau
mit einem todkranken Säugling hier zu uns. Um das Kind zu retten,
hatten sie das Gesetz des Dorfes gebrochen und diesen Wald betreten.
Voller Verzweiflung flehten sie uns an, das Leben des Kindes
irgendwie zu retten..." Wie gebannt hörte der Junge der Geschichte
des Elfen zu. Seine Eltern hatten die Elfen angebettelt, dass
sie dem Kind Hilfe zukommen ließen, bis die Elfen sie erhörten.
Sie konnten das Baby durch einen Zauber heilen, doch seine Gestalt
war nun verändert. Nun war er zur Hälfte ein Elf. Dennoch waren
die Eltern unendlich glücklich, denn das Leben ihres Säuglings
war ihnen wichtiger als sein Aussehen.
Unter Tränen, froh nun endlich zu wissen, warum er so war wie
er war, rannte er den Weg zurück, den er gekommen war. Doch
als er wieder sein Haus erreichte, war alles anders. Während
seines kurzen Aufenthalts im Wald der Elfen waren wie durch
ein Wunder 100 Jahre verstrichen, sodass er nichts und niemanden
im Dorf mehr kannte.
Traurig stieg er auf einen Hügel, der am Rand zum verbotenen
Wald der Elfen lag. Pikaf, der Außenseiter, weinte bitterlich
und seine Augen wurden röter und röter...